Ist Berlin wirklich mein Zuhause - Sunday Column
Sinnesengel is a personal fashion and lifestyle blog by Jessy regarding fashion, beauty and Berlin city stories.
15272
post-template-default,single,single-post,postid-15272,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode_grid_1300,hide_top_bar_on_mobile_header,qode-theme-ver-10.0,wpb-js-composer js-comp-ver-4.12.1,vc_responsive

Sunday Column: Enough is enough

Berlin – Wir müssen reden.

Ich lebe mittlerweile seit fünf Jahren hier. Damals war der Umzug ein Herzenswunsch, nachdem ich mich in unzähligen wunderschönen Sommertagen in die Stadt verliebte. Ich wollte so gerne nach Berlin, dass ich kurzerhand einfach alle meine Zelte in Leipzig abbrach und herkam. Ohne Plan, ohne Aussicht, aber mit einem guten Gefühl im Bauch. Ich wollte hier einfach neu anfangen.

Das war nicht leicht. Von Anfang an wollte die Stadt mich scheinbar auf die Probe stellen. Schon damals, ich kam im Oktober mit meinen gepackten Koffern, zeigte mir Berlin seine frostige Schulter und wollte mich lehren, dass ein Sommer in Berlin nur schön sein kann, wenn man auch den Winter durchhält. Ich hielt durch. Boxte mich durch WG-Anzeigen und freie Jobstellen, kämpfte mit Menschen, die sich auch nach Monaten noch immer nicht öffneten, arbeitete, kündigte wieder und war irgendwie stets auf der Suche. Und ich wartete. Nicht nur auf den nächsten Sommer, sondern auch auf das Gefühl, hier ein richtiges „Zuhause“ gefunden zu haben.

Sinnesengel Blick auf Berlin

Doch beides kam irgendwie nicht.
Stattdessen hechelte ich hinterher. Verpasste ständig den Anschluss. Die Wochen waren einfach zu kurz. Wurden von Jahr zu Jahr kürzer. Und die Stadt war einfach zu groß. Zu voll. Zu laut. So laut, dass ich mich manchmal nicht einmal selbst hören konnte. Stets blieb das Gefühl, mir fehlt etwas!

Doch was das ist, dass weiß ich bis heute nicht. Ich kann es einfach nicht benennen. Und das macht es naturgemäß umso schwerer, etwas zu ändern. Gerade jetzt, mit der Aussicht ein Kind in dieser Stadt großzuziehen, kommen noch mehr Zweifel. Ist das hier wirklich mein Zuhause? Kann es das Zuhause für ein kleines Baby sein? Ich versuche mir immer wieder vorzustellen, wie ALLES sein müsste, damit ich nicht dieses pochende Gefühl von Defizit hätte. Doch mir geht mittendrin immer wieder die Luft aus. Alles, immer, viel und noch mehr. Einfach nicht mein Tempo. Auch nicht mein Rhythmus.

Berlin kommt mir vor wie die Schöne, die immer gehört hat, wie schön sie ist und sich allein darauf ausruht und einfach nur schön aussieht, aber leider bei Tiefgang schnell auf der Strecke bleibt. Und vielleicht ist es an der Zeit, sich etwas anderes Schönes zu suchen. Nicht nur wegen mir, sondern wegen dem kleinen Lebewesen in mir drin. Meine Tochter soll sich nicht im Wettkampf gegen tausende Andere durchsetzen müssen. Sie soll die Wahl haben und realtischte Chancen, es auch zu bekommen. Sie soll tun und lassen können, was sie möchte, ohne das Gefühl zu ersticken oder etwas zu verpassen.
Sie soll hier ein Zuhause finden. Ankommen!

Sinnesengel
Jemara7@gmx.de
No Comments

Post A Comment