Die Wahrheit über das Schwanger sein
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Pregnancy: Just tell me the truth

Eine Schwangerschaft ist „ein reines Wunder“.
Ist sie auch. Und dennoch finde ich es schade, dass alle schwangeren Frauen immer nur betonen, wie erfüllt und glücklich sie sind und das ihre Schwangerschaft das Beste und Erfüllendste ist, was ihnen passieren konnte. Stört sie denn nichts? Nervt sie der große Bauch nicht? Haben sie nie das Gefühl ihre Rückenschmerzen bringen sie noch um?

Ich weiß, dass jede Frau anders ist, jede Schwangerschaft anders ist und keine miteinander zu vergleichen ist, aber ist bei den anderen denn wirklich alles nur schön? Wenn ja, dann beneide ich sie. Denn in den letzten neun Monaten gab es sehr wohl einige Dinge in meiner Schwangerschaft, die ich zum Kotzen fand. Umstände, die ich gerne bereits vor der Schwangerschaft gewusst hätte und auf die ich mich gerne irgendwie vorbereitet hätte. Deswegen halte ich ein paar meiner Gedanken fest. Ganz ehrlich. Öffentlich.

Eine Schwangerschaft gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Das ist nicht neu, ich weiß. Ich bin auch ohne ein Baby im Bauch sehr emotional, manchmal sogar ein bisschen dramatisch und lasse mich sehr gerne von all meinen Gefühlen überwältigen. Ich rechnete also damit, dass sich daran nichts ändern würde und ich vielleicht bei noch mehr Filmen und Werbespots weinen müsste.

Doch tatsächlich war ich in den letzten Monaten nur selten ich selbst. Ich hatte absolut keinen Einfluss mehr, ob ich nun glücklich oder traurig, wütend oder zärtlich oder einfach nur noch hoffnungslos einsam war. Manchmal änderte sich mein Gefühlszustand innerhalb von ein paar Sekunden und ich konnte es weder erklären, noch beeinflussen. Ich war traurig ohne Grund, wütend auf mich selbst und konnte selbst nicht einschätzen, wie ich in bestimmten Situationen reagieren würde und wurde. Ich wurde zu einer tickenden emotionalen Bombe.

Man muss sich andauernd anhören, was man nicht darf.

Wenn meine Ärztin mir rät, dass ich mich etwas schonen muss oder wenn mir die Hebamme empfiehlt, ich solle diese bestimmten Windeln kaufen, dann ist das etwas Schönes und ich bin sehr dankbar dafür. Gerade bei der ersten Schwangerschaft hat man sonst oft das Gefühl alles falsch zu machen.

Aber, wenn mir ungefragt gesagt wird, dass ich etwas nicht darf oder sollte oder kann, stört mich das. Kaffee in der Schwangerschaft? Ja. Verdammt. Laut epidemiologischen Untersuchungen ist es sogar okay pro Tag 300 mg Koffein zu sich zu nehmen. Das entspricht drei Tassen Kaffee! Sport im neunten Monat? Ja. Wenn mein Körper- und mein Bauchgefühl es zulassen und ich keine Schmerzen habe. Haare färben? Ja. Denn ich habe von meiner Ärztin ein Go bekommen. Jede Schwangere sollte für sich selbst und ihr Baby entscheiden dürfen. Ohne dumme Bemerkungen, ohne veraltete Erfahrungen und ohne eine Quelle wie Erdbeerlounge.

Die Wahrheit über das Schwanger sein

Auf einmal gibt es keine Tabuthemen mehr.

Ich bin nicht sehr prüde und es ist mir auch selten unangenehm über sehr intime Dinge zu reden. Das gilt für Freundinnen, die Familie und auch ab und an für Menschen, die einen im Cafè belauschen. Es ist mir egal. Ich habe mit 11 schon nicht mehr bei dem Wort Sex gekichert und ich habe kein Problem damit zu sagen, dass ich meine Tage habe oder dank des großen Bauches meine Vagina nicht mehr sehen kann.

Aber auch für mich gibt es Themen, die ich einfach nicht besprechen möchte. Schon gar nicht mit wildfremden Menschen im Geburtsvorbereitungskurs, im Wartezimmer oder in der Babyabteilung des Kaufhauses. Doch genau dies passiert, wenn man schwanger ist. Mir erzählte tatsächlich eine mir völlig fremde Frau im Wartezimmer, dass ich doch auf jeden Fall eine Tupperdose mit in den Kreißsaal nehmen sollte, um meine Plazenta mit nach Hause zu nehmen und sie anschließend zu backen und zu essen. Ich meine … Was? Das ist echt zu viel. Ich rate euch auch immer genug zu essen, wenn ihr schwanger seid. Lasst nicht zu, dass euer Bauch jemals knurrt. Sonst folgen stundenlange Gespräche über eure Verdauung und die Konsistenz der Ausscheidungen. Ob man nun will oder nicht.

Alles tut weh. Und manchmal hilft nix.

Rückenschmerzen, Krämpfe, Übelkeit, Wassereinlagerungen, einschlafende Hände, juckender Ausschlag und reißende Haut – all das sind „Nebenwirkungen“ einer Schwangerschaft, die nicht nur unangenehm, sondern auch wirklich schmerzhaft sind. Wächst das Baby, verschieben sich alle Organe und machen Platz und das tut verdammt noch einmal echt weh. Besonders, wenn das Baby dann noch meint sich strecken zu müssen und gegen die Rippen tritt. Keine Massage, kein Stillkissen und keine heiße Wanne der Welt helfen dann noch. Man muss es einfach ertragen, sich irgendwie bequem hinlegen und hoffen, dass es bald vorbei geht.

Man fühlt sich ständig unverstanden.

Als Schwangere hat man nicht nur das Gefühl einen Elefanten im Bauch zu haben, sondern die Last der ganzen Welt alleine auf den Schultern tragen zu müssen. Denn man hat ständig das Gefühl, keiner versteht einen. Besonders jetzt in den letzten Wochen drehen meine Gedanken völlig durch und ich gerate ständig in Angst. Was liegt vor mir, wenn das Kind erst einmal da ist? Was, wenn ich alles falsche mache? Was, wenn bei der Geburt etwas schief geht? Alles Fragen, die ich mich doch nicht traue laut auszusprechen. Ich will schließlich eine starke Frau sein. Selbstbewusst. Ich will nicht zugeben, dass ich Angst habe. Aber innerlich hoffe ich darauf, dass meine Mitmenschen genau das sehen. Sie mich auch ohne Worte verstehen und einfach für mich da sind.

Also ziehe ich meine Wände hoch, ziehe mich zurück, nur um mich und meine Emotionen nicht erklären zu müssen. Ich möchte einfach nur alleine sein. Denn nur dann wird mir bewusst, was sich gerade alles in meinem Leben verändert, verändern wird und was da noch kommen kann.

An Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Einer der ersten Sätze, den ich gehört habe, als ich allen mitgeteilt habe, dass ich schwanger bin, war: „Schlaft soviel vor, wie ihr nur könnt!“ Problem ist nur, dass das fast nicht möglich ist. Spätestens im 3. Trimester sind die Tritte des Babys so stark, dass man nachts davon wach wird. Außerdem muss man alle paar Stunden aufstehen, um aufs Klo zu gehen. Dazu sind die Brüste so groß geworden, dass sie ständig stören oder man darauf liegt und dann mit Schmerzen aufwacht. Ich persönlich habe ich zudem immer so großen Durst, dass ich alle zwei Stunden wach werde und insgesamt 1,5 Liter Wasser trinke. Folglich muss ich noch häufiger aufs Klo und bin danach so hellwach, dass ich nicht mehr einschlafen kann. Dann hilft nur ein Mittagsschläfchen. Von wegen. Jedes Mal, wenn ich mich tagsüber hinlege, habe ich schreckliche (und verdammt realistische) Alpträume, so dass ich auch das sein lasse. Ganz getreu dem Motto: „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.“

Schwanger sein ist einfach anstrengend. Nervenaufreibend. Und dennoch das Schönste, dass mir je passieren konnte. Denn ich weiß ganz genau, wieso ich all die Schmerzen, all die Umstände und die vielen Tränen auf mich nehme: Für meine Tochter. Sie ist das eigentliche WUNDER!

Sinnesengel
Jemara7@gmx.de
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