On my mind: If wishes came true - Sinnesengel
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On my mind: If wishes came true

Es ist so: Wenn man sich etwas wünscht und dieser Wunsch geht in Erfüllung, dann ist es das einzig Richtige, dass man glücklich darüber ist. So ist das bei den Geschenken zu Weihnachten und auch bei den kleinen Wünschen, die wir los senden, wenn wir eine Sternschnuppe sehen. Ich dachte auch, dass es bei einer Schwangerschaft so sein würde.

Aber um ehrlich zu sein:

Ich war die ersten Monate nicht glücklich.

Ich habe mich gefreut, selbstverständlich, und wenn ich das Kleine beim Ultraschall sah, erfüllte mich ein Gefühl, dass ich so vorher noch nie erlebt hatte. Aber im Alltag, machte mir die Tatsache, dass da ein Mensch in meinem Bauch wächst, einfach nur Angst. Mich überkamen auf einmal Zweifel und ich kämpfte mit Existenzängsten. „Alles wird sich jetzt ändern.“ war ein Gedanke, der mir fast täglich im Kopf herumschwirrte. Dafür war ich scheinbar noch nicht bereit.

Auf einmal war die allgegenwärtige Frage am Morgen nicht, was ich anziehen soll, sondern was ich den Tag über essen müsste, damit das Baby und ich genügend Vitamine und Mineralstoffe aufnehmen würden. Statt dem Kinoprogramm am Wochenende studierte ich Broschüren über Pränataldiagnostik und das Wochenbett. Statt eine Zigarette nach dem Abendessen zu rauchen, schluckte ich Schwangerschaftsvitamine, von denen mir schlecht wurde. Ich fühlte mich allein und irgendwie mit meiner Situation im Stich gelassen. Keine schwangeren Freundinnen, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen konnten, keine Hebamme an der Seite, die mir genau erklärt, was jetzt in meinem Körper vor sich geht. Nur ich und unzählige Hormone, die verursachten, dass ich nicht mehr ich selbst war. Und mittendrin: Mein Freund, der sich stets bemüht hat und für mich da war, der aber doch nichts richtig machen konnte. Denn verstehen, was da in mir passiert, das konnte er nicht. Ich habe viel geweint, fühlte mich alleine und an manchen Tagen konnte ich einfach nicht mehr. Ich habe mich in meinem Körper und mit meinen Emotionen und Gedanken nicht wohl gefühlt.

Sinnesengel_If_wishes_came_true_Opener

Die Frau im Spiegel. Das war nicht ich. Ungekämmte Haare, müde Augen, blasser Teint. Mir war ständig schlecht und ich hatte das Gefühl, ich würde meinen Körper verlieren. Ich sah mich an und fande mich einfach nur furchtbar. Ein paar Tage lang, sah ich gar nicht erst in den Spiegel. Da zog ich mich einfach zurück. In meine kleine Höhle und wartete darauf, dass mich diese Glücklichkeit überkommt, von der all die anderen Schwangeren immer reden. Aber sie kam nicht. Stattdessen nur noch mehr Zweifel, weitere Sorgen und Streits, weil ich keine Worte fand, um zu beschreiben, was in mir vorgeht. Stattdessen sagte ich Dinge, die ich nicht sagen wollte und hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich den wichtigsten Menschen in meinem Leben weh tat. Ich war eine tickende emotionale Bombe.

Erst jetzt. Einige Wochen später, ohne Schwangerschaftsübelkeit, ohne Nasenbluten und mit Hormonen, an die ich mich so langsam gewöhnt habe, kann ich sagen:

Es ist schön schwanger zu sein.

Also fühlt euch nicht schlecht, wenn ihr euch erst nicht wohl fühlt. Habt kein schlechtes Gewissen, weil ihr euch nicht richtig freuen könnt. Denkt nicht daran, wie viele Frauen keine Kinder bekommen können, sondern gewöhnt euch ganz langsam an die neue Situation. Angst zu haben ist normal. Und irgendwie auch wichtig. Ihr seid deswegen noch lange keine schlechte Mutter. Es ist menschlich. Und das ist die wichtigste Eigenschaft, die eine Mutter braucht. Menschlichkeit.

Sinnesengel
Jemara7@gmx.de
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